Strickkleid Daisy und die liebe Zeit

Ach, zur Zeit komme ich gar nicht hinterher mit dem Bloggen. Zig Projekte liegen auf Halde und warten auf der Festplatte auf ihren Auftritt oder sind noch nicht einmal fotografisch verarztet. Wäre bei manchen Werken wirklich schade, wenn die es nicht ins öffentliche Leben schaffen. Daher gibt es diese Woche auch mal 3 Beiträge. Nach meinem WWW-Detox bin ich frisch und ausgeruht und spame euch die Tage ein wenig zu. Dafür gibt es dann hier auch wieder ruhigere Wochen, wo nichts passiert. Versprochen! So ist eben das Leben! Mal rauf, mal runter, mal viel real life, mal viel digitale Welt, mal viele vollendete Ideen, mal viele UFOs.

Mein aktuell fertig gestelltes Strickobjekt war kein UFO, nein, nicht mal ansatzweise. Allerdings werde ich beim Stricken oft jahreszeitenversetzt fertig. Das liegt daran, dass ich oft nur zwischendurch stricke und es liegt noch mehr daran, dass ich die Ribbelkönigin schlechthin bin. Ich stricke, ich ribble, ich stricke, ich ribble und zwar solange bis mir gefällt, was ich da gestrickt habe. So auch bei diesem Projekt. Am Ende habe ich aber ein Frühlingskleid bekommen, dass mir passt und dass ich sehr sehr gern trage. Auch wenn es jetzt temperaturtechnisch schon hochsommerlich zugeht, stelle ich euch mein Frühlingskleid vor. Denn wer jetzt anfängt zu stricken, hat es garantiert zum nächsten Frühjahr fertig. So ist das mit der Zeit. Auf meiner Uhr steht: „Whatever! I’m late anyway“ und unter diesem Motto: Et voila! Strickkleid Daisy:
Strickkleid_Daisy_Drops12Gestrickt habe ich das Kleid nach der Pulloveranleitung von Drops und es zu einem Kleid verlängert. Ihr kennt ja mittlerweile meinen Hang zu diesem Gewand. Mit ein paar Änderungen und dem Rockteil ist es mein 2. Strickkleid und es trägt sich mindestens genauso gut wie mein Erstes.

Verwendet habe ich als Hauptfarbe 14 x 50 g Drops Babymerino Pflaume 41, für die Blüten die Farben Blau 30 und Grau 22. Das Kleid wird von oben nach unten gestrickt. Um meine Ergänzungen zu verstehen, braucht man die Originalanleitung. Mit dem Ausschnitt begann ich auch gleich eine erste Änderung vorzunehmen. Ich wollte ihn etwas weiter, weil mir enge Ausschnitte ein Graus sind. Ich nahm statt der 110 Maschen für Größe M 134 Maschen auf und nahm nach der Halsblende nur 6 Maschen zu.  Nach der hinteren Erhöhung strickte ich das Muster A.1 nur bis zur 4. Zunahme (statt 5) und erreichte so die gewünschten 220 Maschen für Größe M. Praktisch ließ ich 10 Reihen weg und erhielt einen Ausschnitt, der mir gefiel. Dann ging es laut Anleitung mit der Blütenpasse weiter. Das machte richtig Spaß, sah man doch, wie es voran ging. Danach nahm ich beim Muster A.2 in der vorletzten Runde 10 Maschen verteilt zu. Durch Zunahmen bei der Blütenpasse und diesen 10 Maschen war ich jetzt bei 290 Maschen (Größe S). Jetzt ging es wieder nach Anleitung weiter und mit den Raglanzunahmen war ich unter den Armen dann bei 330 Maschen.Strickkleid_Daisy_Drops08
Ich war während des Strickens immer wieder begeistert von der Farbe. Die Tulpen der Saison lieferten sich regelrecht einen Farb-Wettstreit mit meinem Strickzeug.

Die Trennung von Ärmeln und Rumpfteil habe ich dann laut Anleitung 50-65-100-65-50 vorgenommen. Die 65 Maschen sind dabei die Ärmel und die 50 bzw. 100 sind 2 halbe bzw. ein ganzes Rumpfteil. Jetzt laut Anleitung immer rechts in Runden stricken, was recht zügig voran ging. Für die Taillierung habe ich nach 6 cm unter der Achsel 5 x alle 2 cm an jeder Seite 2 Maschen abgenommen. Insgesamt also 20 Maschen.
Strickkleid_Daisy_Drops09Jetzt kam die Probierphase beim Kleid. Ich wollte es etwas a-linienförmig haben, weil mir dieser Kleiderschnitt immer gut gefällt. Also nahm ich an den Seiten zu. Als ich es fertig hatte, zippelte es so an den Seiten. Mein erster Schadensbegrenzungsversuch bestand darin, die untere Bordüre ohne Zunahmen zu stricken. War schon nicht schlecht. Dann kamen die Ärmel dran. Ich entschied mich, wie übrigens fast immer, für Dreiviertelärmel. Ich kann einfach nicht mit langen Ärmeln und wenn es mir zu kalt ist, stricke ich mir einfach noch paar passende Stulpen dazu. Dafür reicht die Wolle übrigens noch aus. Für die Dreiviertelärmel habe ich 8 x je 2 Maschen alle 6 Reihen abgenommen und dann das Randmuster gestrickt.
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Das Muster an den Ärmeln gefällt mir übrigens ausgesprochen gut. Das habe ich aus der Anleitung genauso übernommen. Auf den Bildern im Netz ist das gar nicht so zu erkennen, daher gibt es hier ein Detailbild davon.
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Flugs den 2. Ärmel gestrickt und ich hoffte auf erste Tragefotos im April, wo das Wetter für das Kleid perfekt gewesen wäre . Fäden vernähen war jetzt bei diesem Kleid nicht so der Aufreger. Noch ein kleiner Tipp: Immer an der Seite mit einem neuen Wollknäul beginnen, dann ist das ein wenig versteckt. So ein bisschen sieht man es doch immer, wenn irgendwo ein Knoten oder eine Vernähung ist.

Dann stand ich vor dem Spiegel und ich fand mich ganz gut in dem Kleid. Ihr hört es schon: ganz gut, aber nicht super, nicht perfekt und schon gar im absoluten Wohlfühlmodus. Ich zippelte und zippelte und merkte, dass es bei einem Strickkleid doch eigene Gesetze der Schnittführung gibt. Die A-Linien-Form waren nicht so wie ich es mir wünschte. Die Zunahmen standen wie kleine Teddyohren ab und ich wusste, das kann ich so nicht lassen. Das wird eine Schrankleiche, wenn ich jetzt nicht Initiative ergreife. In solchen Momenten darf ich nicht weiter drüber nachdenken, sondern muss sofort handeln. Vernähung aufgepult und gnadenlos geribbelt. Praktisch habe ich das ganze Rockteil wieder aufgemacht. Ja, das sind so die Momente, wo es heißt: Das sind keine Fehler, das sind Erfahrungen. Oder: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitermachen. Ich ägere mich in solchen Momenten aber nicht wirklich. Ich weiß, ich wusste es nicht besser und daher bin ich auch geduldig. Ich bin sogar oft erleichtert, wenn ich mich dazu durchgerungen haben, weil ich weiß, dass es richtig ist.
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Nach den Abnahmen für die Taille habe ich 4 cm gestrickt und dann alle 6 Runden an jeder Seite für die Hüfte je 2 Maschen zugenommen. Das Ganze 10 x, der Po muss ja schließlich reinpassen. Dann habe ich 20 cm immer in der Runde glatt rechts gestrickt, ohne Zu- oder Abnahmen. Dann habe ich das Muster der oberen Passe noch einmal aufgegriffen und 8 x 3 Runden rechts, eine Runde links gestrickt. Noch das hübsche Muster vom Ärmelabschluss und ich konnte die letzte Runde abketten. Was ich bekam, war super gut, perfekt und ein richtiges Wohlfühlkleid. Am Ende war ich der Sieger und konnte Anfang Mai mein Frühlingskleid in der Sonne ausführen. Hier kommt dann wieder die liebe Zeit ins Spiel. Es dauerte noch genau einen Monat bis das Werk hier landete. Whatever, I’m late anyway.

Das Kleid besteht aus feiner Merinowolle, ist atmungsaktiv und kuschelweich. Ich weiß das genau, bin ich doch hochsensibel, was Wollsachen angeht. Jede Wollsorte wird zunächst an den Hals gehalten und wenn auch nur ein kleinstes Pieken zu verspüren ist, wird die Wolle abgewählt. Meine Mama kennt unsere Diskussionen noch aus meinen Kindertagen, wo alles piekte.

Übrigens noch ein Tipp: Die Merinowolle von Drops neigt zum Wachsen nach dem Waschen. Strickt das Kleid ca. 8 cm kürzer als du es haben willst. Ein Waschgang und es ist wesentlich länger. Wäre doch schade, wenn es so eine „Omalänge“ hat und dann nicht angezogen wird. Strickkleider müssen schon ein bisschen auf Figur sein, sonst wirken sie leicht altbacken, oder?
Strickkleid_Daisy_Drops14So, dass gute Stück ist fertig und das relativiert dann wieder all die Zeit und Mühe, die ich in das Werk gesteckt habe. Ich freue mich über mein neues Strickkleid, dass auch an kühlen Sommertagen mit Ballerinas eine gute Figur macht. Im Winter mit Stiefeln und Stulpen wird es etwas Farbe in den grauen Winter bringen. Da bin ich mir sicher.

So, und jetzt genieße ich ein wenig die Zeit zwischen 2 Strickprojekten. Wolle ist zwar schon da, aber die Idee dazu muss noch reifen und das braucht immer ein wenig Zeit, nicht? Übrigens ist die Wolle von mir selbst gekauft und sogar die Versandkosten trage ich :-).

Verlinkt mit Du für dich am Donnerstag, Sew La LaFannys liebste Masche und bei Frau freut sich :-) .

 

24 Gedanken zu “Strickkleid Daisy und die liebe Zeit

  1. Undine, und du fragst mich, wie ich das alles bloß mache? Diese Frage darf ich mindestens heute aber zurückgeben! :-) Das Kleid ist der Hammer, es steht dir wieder einmal fantastisch. Die Farbe, der Schnitt… der Wahnsinn. Und der Beitrag als solches dazu gefällt mir ebenso gut. Ganz ganz toll und du hast meine volle Bewunderung, für ein komplettes Strickkleid an den Nadeln durchgehalten zu haben! Respekt!

    Von Herzen liebe Grüße ♥ Anni

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    1. Liebe Anni, ich denke, dass du mir noch ein ganzes Stückchen an Fleiß voraus hast, aber wir wollen ja nicht wettstreiten. Solange wir Spaß haben und uns nicht überfordern, können wir nähen, häkeln, stricken, kochen, backen und bloggen, so viel wie wir wollten, nicht? Ganz lieben Dank für dein Lob! Ich freue mich immer sehr über so freundliche Kommentare und damit geizt du nun wahrlich nicht. Liebe Grüße Undine

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    1. Liebe Claudia, tausend Dank für so ein lieben Kommentar. Das Lob für den Haarschnitt gebe ich an meine Schwester weiter, die mich seit Jahrzehnten frisiert. Ich kann mich da echt glücklich schätzen, weil sie super schneiden kann. LG Undine

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  2. Das Strikkleid ist mega cool! Ich bin mir sicher es wird zu allen Jahreszeiten Freude bereiten und dir viele Komplimente bringen. Ich hoffe die Wolle hält gut mit! So eine tolle Arbeit, grade wenn es so lange gedauert hat! Hat sich GELOHNT!!! LG Sarah

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  3. Sehr, sehr schön! Die Mühe – und auch die Disziplin noch mal aufzuribbeln – hat sich jedenfalls gelohnt. Das Kleid ist dir ausgesprochen gut gelungen und steht die hervorragend!

    Herzliche Grüße Irene

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  4. Dein Kleid gefällt mir supergut! Ich überlege, dass es eigentlich aus einem Seide-Viskose-Gemisch oder auch einem Leinengarn auch super als Sommerkleid geeignet sein müsste. Vor allem mit Blümchen. <3 Mein "Big in Japan"-Shirt ist sooo angenehm zu tragen – das Material müsste doch als Kleid auch ganz fabelhaft sein. Hm… Stricken und ribbeln: Das kenne ich nur zu gut, geht mir ganz gleich. Irgendwie ist bei solchen Großprojekten der Weg das Ziel bei mir, vor allem wenn es Reihe um Reihe glatt Rechts dahin geht. Meditativ ist das. Und sag mal: Kommst du aus Österreich? Weil die meisten Deutschen, die ich kenne, verwenden niemals das Wort "Gewand" für "Kleidung".
    Herzlichen Dank für Deine ausführliche Anleitung zu Deinen Änderungen! Das Projekt kommt auf die Liste der Dinge, die ich jedenfalls gerne stricken will, genau mit all Deinen Änderungen! lg, Gabi

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    1. Liebe Gabi, das Strickkleid funktioniert bestimmt auch mit anderen Garnen. Sommerliche Garne mit Leinen passen ganz sicher auch zu diesem Modell. Ich bin übrigens durch und durch norddeutsch, versuche in meinen Blogbeiträge aber durchaus verschiedene Begrifflichkeiten zu verwenden. Vielleicht kommt mir zugute, dass ich schon sehr lange für eine österreichische Firma arbeite :-). LG Undine

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