Mein Leipzig lob ich mir…

… hat schon der 16-jährige Goethe gesagt, als er 1765 nach Leipzig kam. Er hatte noch nie eine solche lebendige und ansehnliche Stadt erlebt, heißt es. Ganz sicher hat sich seit dieser Zeit so einiges verändert, aber ich kann Goethe nur zustimmen. Leipzig hat mir / uns auf Anhieb gefallen und nach der ersten Begehung der Innenstadt stolperten wir in Auberbachs Keller und genossen im Café ein köstliches Stück Kuchen und Kaffee. Diese Lokalität ist durch eine Szene des Fausts sehr berühmt geworden. Mephisto will Faust im Auerbachs Keller die Freuden des einfachen Volkes vorführen: Trinken, Singen, Lachen. Damit sind wir schon mitten im Leipziger Getümmel, aber lasst mich vor anfangen.

Unsere Unterkunft

Freunde hatten uns 2 Übernachtungen im Vienna House geschenkt. Das Hotel war ein Volltreffer für uns, einfach perfekt. Es lag  gegenüber vom Bahnhof, nur 2 Straßen weiter waren wir mitten in der Innenstadt und auch der Leipziger Zoo war fußläufig zu erreichen.Leipzig_Städtetrip39
Die Einrichtung war genau meins, jung, lässig, Boho. Mag ich. Das Zimmer war farblich so richtig 70er Style. Wenn mir die Farben stehen würde, hätte ich schon längst ein Kleid in curry und orange. So genoß ich eben einfach die extrovertierte Farbkombi in der Räumlichkeit.

Man konnte in der Lobby eine Pflanze zur Pflege mitnehmen. Ist doch klar, dass ich bei so etwas mitmachte. Ich hatte gleich die freche Trude in der Hand. Es gab überall viel zu entdecken. All diese netten Vintage Accessoires machten die Atmosphäre heimelig und gemütlich. Wir fühlten uns dort sehr wohl und auch das Frühstück war reichhaltig und vielfältig. Allerdings bin ich da auch genügsam. Ein schönes Brötchen, Kaffee (ganz wichtig) und ein bisschen Obst und schon bin ich zufrieden.
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Die Leipziger Innenstadt

Wie schon eingangs erwähnt, waren wir gleich nach Ankunft in der Leipziger Innenstadt unterwegs. Die Fußgängerzone war ein Shopping Paradis. Kaum eine Marke, die nicht vertreten war. Ich mochte besonders den Maisons du Monde Laden. Da gab es so tolle Einrichtungs- und Dekogegenstände. Ich kannte diese Marke aus dem Internet, aber so life drin rumzustöbern, war dann doch noch ein anderer Schnack. Ansonsten interessierte ich mich eher für die Architektur der Häuser und Kirchen. Die Nikolai- und die Thomaskirche sind die beiden berühmtesten Kirchenbauten im Zentrum. Die Nikolaikirche ist besonders in der Wendezeit durch die Montagsdemonstrationen ein Begriff geworden. Eine kleine Ausstellung blickte zurück auf die Zeit vor 30 Jahren. Ich erinnerte mich, dass ich am 7. Oktober 1989 vor dieser Kirche das erste Mal Polizisten mit Schlagstöcken gesehen haben. Es war ein mulmiges Gefühl damals und war froh, als wir da wieder weg waren.
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Die Thomaskirche mit ihrem berühmten Kantor Johann Sebastian Bach hat eine angenehm weltliche, übersichtliche Website, wo z.B. alle Veranstaltungen des Thomanerchors zu finden sind. Als wir die Kirche besuchten, fand gerade eine Orgelprobe statt. Schon grandios wie der Boden und der eigene Körper beim Anschlagen dieses gewaltigen Tasteninstruments vibrieren; ein echter Gänsehautmoment.

Ich mag ja Kirchen. Sobald man diese betritt, empfängt einen flüsterleise Stille und eine gewisse Erhabenheit. Das überträgt sich auf mich und ich fühle mich immer ein bisschen, als wenn ich in eine andere Welt eintauche. Auch wenn ich nicht an eine höhere Macht glaube, kann ich mir gut vorstellen wie Gläubige Trost in den Gemäuern einer Kirche finden.

Leipzig ist voll mit Cafés, Restaurants und es wird so lange wie möglich das Outdoor-Partyleben gepflegt. Wir waren Mitte Oktober dort und mit Decken und Heizpilzen konnte man an diesen milden Herbsttagen wirklich noch die Abende draußen verbringen. Hotspot ist hier das Barfussgässchen. Die Tische und Stühle der gegenüberliegenden Restaurants sind so dicht, dass gerade mal eine Person dazwischen lang gehen kann. Hat schon ein bisschen Laufstegcharakter. Wir haben beide Abende da verbracht, weil es so schön war. Hier eine Tagesansicht, wo die Plätze noch auf ihre Gäste warten. Kennt ihr die Lisa aus der Serie „In aller Freundschaft“? Die Leipziger Schauspielerin Ella Zirzow lief dort am ersten Abend entlang und damit oute ich mich, diese Serie doch das eine oder andere Mal zu verfolgen.
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Der Markt von Leipzig mit dem Rathaus ist das rechteckige Zentrum und ca. 1 ha groß. Von da aus sind alle bereits genannten Ziele nur ein paar Minuten entfernt. Man stolpert praktisch in die Restaurants, Gässchen und Shoppingstraßen.

Das alte Rathaus ist ein Renaissance Bau und wurde mehrmals umfangreich saniert. Mit seiner imposanten Länge von 93 m bietet es Platz für einen großen Festsaal, die Ratsstube, das Landschaftszimmer des Spätbarock, die Schatzkammer und ein Porträt Johann Sebastian Bachs, der 1723 in der Ratsstube seine Anstellungsurkunde als Thomaskantor unterzeichnete.

Der Leipziger Zoo

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Der Leipziger Zoo sollte dringend auf deine To-Visit-Liste, wenn dein Weg dich in diese sächsische Stadt führt. Ehrlich gesagt, hat mir dieser Tierpark bisher am allerbesten gefallen. Sogar noch ein bisschen besser als der Londoner Zoo. Auf 26 ha gibt es so tolle Themenanlagen, dass man gut und gerne einen vollen Tag da verbringen kann. Zudem ist er fußläufig von der Innenstadt aus zu erreichen. Also zieh dir deine bequemen Treter an und lauf los.

Im tropischen Gondwanaland kannst du tropisches Feeling in einer über 34 Meter hohen Halle empfinden. Wir sind mit einem Boot auf einem Fluß entlang gefahren. Unterwegs wurde uns auf riesigen Bildschirmen und mittels 3D-Installationen die Entstehung des Urkontinents Gondwana beeindruckend nahe gebracht. Auf dem Baumwipfelpfad konnten wir Urwaldriesen von oben bewundern. Es war mehr als anschaulich und die Dimensionen dieser Themenanlage war wirklich imposant.
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Auch die anderen Bereiche waren ein Entdeckerland für Klein und Groß. In der weltweit größten Menschenaffenanlage, dem Pongoland, war ordentlich was los, allein schon durch die Anzahl der Tiere bedingt. Schon vergleichbar mit dem Darwineum in Rostock, aber einfach viel größer. Der Leipziger Zoo ist in verschiedensten Bereichen schon ein Spitzenreiter.

Das folgende Bild darf ich euch nicht vorenthalten. Ist das Gorillababy nicht allerliebst? Menschenaffen sind doch immer wieder faszinierend. Die Ähnlichkeit mit verspielten Menschenbabies ist unverkennbar. Und? Wer erkennt sich im Blick des Gorillapapas wieder?
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Wir durchwanderten noch den Okapi-Wald, den Elefantentempel Ganesha Mandir, die Tiger-Taiga, die Himalaya-Anlage, das Leoparden-Tal, die Flamingo-Lagune und die Kiwara-Savanne.

In der Kiwara-Savanne konnte man den Giraffen auf Augenhöhe begegnen. Das sind so elegante Tiere, die mich schon im „König der Löwen“ mit ihrem erhabenen Gang beeindruckten.

Mit platten Füßen und ganz vielen tollen Eindrücken verließen wir den Zoo und kehrten in ein Café ein. Kein Besuch in Leizpig ohne eine Lerche vertilgt zu haben. Dieser kleine Kuchen hat wirklich etwas mit dem Vogel zu tun. Früher wurden ganz viele dieser Singvögel als Delikatesse zubereitet, vertilgt und sogar ins Ausland versendet. Mit zunehmenden Tierschutz und dem rasanten Schwund des Vogels wurde mit dem Marzipangebäck ein Ersatz geschaffen. Also bei der echten Lerche wäre ich raus, ich finde schon so eine magere Wachtel merkwürdig. Als Fan von fast allem, was süß ist, schmeckte mir die frische Gebäcklerche köstlich, deren Markenzeichen die beiden über kreuz gelegten Teigstreifen ist.
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Der Leipziger BahnhofLeipzig_Städtetrip34

Beim Leipziger Bahnhof werden alte Erinnerungen bei mir wach. Bin ich doch vor 30 Jahren (unvorstellbar diese Zahl!) ein Jahr lang öfter dort auf der Durchreise nach Chemnitz, wo ich studiert habe, gestrandet. Da hat sich, glaube ich, hinsichtlich Anschlussverfügbarkeit und Pünktlichkeit bei der Bahn nicht so viel getan. Jedenfalls war dieser Bahnhof des Öfteren mal mein Domizil, wo ich schon damals mit Strickzeug bewaffnet, auf den nächsten Zug gewartet habe. Allerdings wurde der Bahnhof zu einer dreistöckigen Shoppingmall ausgebaut und ist heute für Schnäppchenjäger und Fashionvictoms ein Eldorado. Er ist mit rund 80.000 Quadratmeter der größte Kopfbahnhof Europas und ist mit rund 1.300 Zügen in 120.000 Reisenden und Besuchern ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den sächsischen Bahnverkehr. Wir konzentrierten uns auf die Architektur des Bauwerks und ich knipste ein paar Fotos vom beeindruckenden Innenleben des Bahnhofs.

Ei verbibbsch nochemal! Jetzt aber schnell zum Zug, bin sbäd dran! Nu…
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Das Völkerschlachtdenkmal

Das Völkerschlachtdenkmal stand am letzten Tag auf unserer Agenda. So ein bisschen Geschichte kann ja nicht schaden, dachte ich so bei mir. Am Ende war ich doch schwer beeindruckt von diesem riesigen Denkmal, dass uns die Geschichte der Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober 1813 anschaulich näher brachte. Damals verbündeten sich Heere Russlands, Preußens, Österreichs und Schwedens gegen Napoleon und besiegten den Franzosen und dessen Alliierte auf deutschen Boden. Die traurige Bilanz von 600.000 beteiligten Soldaten waren 100.000 Tote und Verletzte. Danach raffte noch eine Typhus-Epidemie 10 Prozent der Einwohner Leipzigs dahin.
Leipzig_Städtetrip54Der Dichter Ernst Moritz Arndt hatte die Idee zu diesem Denkmal, das die Gefallenen ehren sollte. Es wurden Spenden für die Errichtung des Denkmals gesammelt und 1898 reichte die Summe zur Grundsteinlegung aus. 1913 wurde das Völkerschlachtdenkmal als Nationaldenkmal eingeweiht. Hier noch ein paar Daten für Geschichtsinteressierte.
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Wenn man das Innere des Denkmals betritt, werden einem die 300.000 Tonnen Gewicht auch in Ansätzen klar. Allein die haushohen Figuren aus Granitporphyr (Geologen wissen bestimmt auch, was das ist) müssen zig Tonnen wiegen. Schaut euch mal meinen Fuß im Größenvergleich zu dem Zeh der stillenden Mutter an. Wahnsinn, oder?
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Von oben bot sich ein fantastischer Blick über Leipzig. Wir hatten bestes Wetter und erklommen daher die 365 Stufen gern. Klaustrophobikern kann ich allerdings nur abraten vom Aufstieg. Es wird nach oben hin immer enger und ist nichts für zarte Gemüter, die es nicht eng mögen. Aber schaut selbst, ist das nicht ein grandioser Blick über die Stadt?
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Wieder unten genossen wir das schöne Wetter bei einer Rostbratwurst und einer Club-Cola. Die kannte ich auch noch aus DDR-Zeiten und sie schmeckte wirklich noch wie früher. Für mich passte sie nach Leipzig. Wir saßen in der Sonne und es war einer dieser perfekten Momente, wo alles stimmte.

Ich knipste noch ein bisschen und probierte endlich mal meinen Lensball aus. Er machte sich gut im herbstlichen Leizpig und auch wenn ich mir fast die Hand damit in der Sonne verbrannt habe, möchte ich noch ganz viele Versuche damit starten.
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So, ich hoffe, ich habe dir Lust auf einen Besuch in Leipzig gemacht. Ich schwelge bei diesem Artikel ein bisschen in Erinnerungen, die 30 Jahre her sind und die ich mit Spaß wieder aufgefrischt habe. Mit welcher Stadt verbindest du alte Erinnerungen?

Verlinkt mit der Urlaubslinkparty vom Nähfrosch.

 

5 Gedanken zu “Mein Leipzig lob ich mir…

  1. Was für ein schöner Beitrag, liebe Undine. Ich war ja vor einiger Zeit zum ersten Mal in Leipzig und habe mich sofort schockverliebt in diese schöne und pulsierende Stadt. Bis auf den Zoo waren wir damals ähnlich unterwegs, aber alleine für den Zoobesuch möchte ich unbedingt nochmals nach Leipzig reisen. Soooo schön. Wir waren im Winter dort, jetzt würde mich natürlich etwas wärmeres Wetter reizen, um auch draußen so richtig schön was unternehmen zu können.
    Danke fürs Erinnerungen zurückbringen, liebe Grüße
    Anni

    Gefällt 1 Person

  2. Das Hotel ist ja der Knaller. Da hätte ich auch meinen Spass und auch eine Pflanze zur Pflege. Tolle Idee. Leipzig ist für mich fast 20 Jahre her, ich glaube, ich sollte auch mal auffrischen. Lieben Dank für die tolle Inspiration. Liebe Grüße, Ulrike

    Gefällt 2 Personen

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