Babykissen – schneiden, bügeln, applizieren

Kinder wie die Zeit vergeht. Das erste Halbjahr ist schon wieder um und der Juni flog nur so an mir vorbei. Es ist aber auch einfach so viel los zum Schuljahresende, mit WM-Studio im Carport und sommerlichen Grillpartys. Ich muss gestehen, dass wochenlanger Sonnenschein mir in meiner fast 4-jährigen Bloggerkarriere noch nicht untergekommen ist und ich kann euch verraten, was das bewirkt. Mit jedem Tag Sonne nimmt die Anzahl der Beiträge expotential ab und wie ihr seht, ist hier seit 3 Wochen Funkstille, weil es im Kämmerlein einfach zu warm und zu stickig ist. Außerdem scheint mir dort die Sonne direkt ins Gesicht. Wie soll man da noch einen flotten Spruch auf der Tastatur klimpern ohne sich auf Terrasse mit einem gemütlichen Bierchen oder Weinchen zu sehnen. Verzeiht mir meine Nachlässigkeit. Wir Norddeutschen müssen einfach jeden Sommertag mit dazugehöriger lauer Sommernacht nutzen und auftanken für die windige, kalte und dunkle Winterzeit.

Fleißig war ich trotzdem von Zeit zu Zeit, habe die Nähmaschine an die Luft befördert und ein wenig gewerkelt. Im hellen Sonnenlicht unter dem Sonnensegel haben sich meine Applikationen ganz besonders gut genäht und dabei sind mehrere Kissen entstanden. Heute aus der Abteilung: Babykissen:

Ich habe solch applizierten Kissen schon des Öfteren gemacht wie hier und hier beschrieben. Meine Technik, Buchstaben und Gegenstände auf Kissenhüllen zu bringen, ist vielleicht etwas aufwendig. Dafür braucht man kein zusätzliches Werkzeug wie Plotter und Co. und hat trotzdem unendlich viele Möglichkeiten sich kreativ zu entfalten. Meist beginnt es mit der Idee, den Namen und ein passendes Motiv zu applizieren. Grundstoff kaufen oder aus der Stoffkiste wühlen, passende Webstoffreste heraussuchen und dann hat man meistens schon den Anfang gemacht. Ich drucke im Wordprogramm die Buchstaben in passender Größe. Hier kann man Einzelbuchstaben oder Schreibschrift verwenden, ganz wie man mag. Man zeichnet sich das Motiv oder sucht es sich unter den Tausenden von Malvorlagen aus dem Netz. Die sind ganz gut geeignet, da sie eher großflächige Motive enthalten. Bei Lasse habe ich mich für ein Segelschiffchen entschieden und die beiden Mädchen sollten ein Pilzhaus und eine Babyschnecke auf ihre Kissen bekommen. Ich erkläre mein Vorgehen anhand des Jungskissens, weil ich da Schritt für Schritt Fotos gemacht habe.

Ihr seht die Grundidee der Stoffe und der Motive. Hier prüfe ich, ob das alles überhaupt so passt wie ich mir das vorstelle. Papiervorlagen und Stoffe werden hin und hergeschoben, notfalls vergrößert oder verkleinert. Wenn die Proportionen stimmen, geht es ans Schnippeln. Das Schiff wird in seine Einzelteile zerlegt. Gut wenn man die Kopie zweimal hat, dann kann man jedes Teil komplett ausschneiden ohne etwas weg zu schneiden, z.B. beim Inneren des Schiffsrumpfes. Dann schneide ich die Stoffreste dazu grob aus und klebe sie auf Vliesofix. Mit dem Bleistift umrande ich auf dem Vliesofixschutzpapier die Einzelteile. Bitte denkt dran, dass das alles auf links gemacht werden muss, sonst hast du zwar ein Schiffchen, aber spiegelverkehrt. Beim Schiffchen würde das noch verzeihbar sein, aber bei Buchstaben geht das natürlich gar nicht. Das untere linke Bild zeigt dir die Vorgehensweise noch einmal ganz gut.

Wenn du deine Einzelteile ausgeschnitten hast, ordnest du sie auf dem Kissen an. Zuvor habe ich die Grundplatte aus den 3 Stoffen genäht und abgesteppt. Oben grau und unten grün und blau. Mit Pünktchen sieht es gleich fröhlich und kindgerecht aus. So ein bisschen wie Himmel, Ufer und Wasser. Das rot im Kissen hat mir dann übrigens doch nicht gefallen und ich habe noch einmal das „S“ und ein paar Kleinteile in grün und blau ausgeschnitten. Man sollte sich dafür ruhig ein bisschen Zeit lassen und die Wirkung der Farben prüfen. Wenn alles stimmig ist, bügel ich die Motive und Buchstaben auf das Kissen. Vliesofix ist ja schon drunter. Damit das Kissen ein bisschen fluffiger wird, bügel ich dann von unten Vlieseline H630 drunter. Mit einem kleinen Geradstich steppe ich jetzt jedes Einzelteil an der Grundplatte fest und durch die Vlieseline wirkt das ein wenig erhaben, so wie bei einer Steppjacke. Ob ihr es glaubt oder nicht: Das Absteppen ist meine liebste Tätigkeit beim Kissen nähen. Das ist wie Meditation für mich, auch wenn ich das Handrädchen der Nähmaschine tausendmal drehe, das Kissen ebenso oft und nur ganz kurze Abschnitte hinter einander nähen kann. Keine Ahnung warum, aber ich bin da immer ganz im Flow und hochkonzentriert.

Wenn die Kissenplatte fertig ist, ist es nur noch ein Katzensprung zum fertigen Kissen. Den Endlosreißverschluss versiegel ich mit passenden Stoff. Dann sieht das auch von innen schön aus. Bitte nicht das Zipperaufziehen vergessen. Jetzt kommt wieder die berühmte Technik mit einer Hilfsnaht. Genauer beschrieben habe ich das hier und diese Art einen nahtverdeckten Reißverschluss einzunähen, gefällt mir immer noch außerordentlich gut. So, das Jungskissen ist fertig und ich denke, Lasse kann ruhig ein bisschen an der Schiffsschraube pulen. Das übersteht das Kissen allemal.
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Setzt die Segel und „Ahoi ihr Landratten!“ Ach ich liebe diesen Spruch!
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Dann kamen die Mädchenkissen. Valentina bekam ein kleines Schwesterchen und die Idee war geboren, beiden Geschwistern ein Kissen zu schenken. Eine schöne Idee wie ich finde. Meine Mama hat es auch nie übers Herz gebracht, nur mir oder meiner Schwester etwas zum Geburtstag zu schenken. Wir haben immer beide etwas bekommen, egal wer Geburtstag hat. Diese Tradition hat sie bis heute erhalten und so haben wir beide immer ein bisschen zweimal im Jahr Geburtstag. Was bin ich doch für ein Glückspilz. Ach, Stichwort Pilz bringt mich gleich wieder zurück zu den Mädchenkissen. Aber von Anfang an.

Ich wählte Stoffe aus, die in beiden Kissen vorkommen sollten. Grundstoffe, Schrift und Seitenstreifen waren aus einer Stoffreihe mit Herzchen, Blümchen und Pünktchen und ergänzten sich ganz prima wie ich finde. Die Schreibschrift war eine besondere Herausforderung an die Nähkünste. Aber es lohnt sich und die Motive aufzunähen waren dann ein Kinderspiel. Noch ein paar Glitzerknöpfchen aufgenäht, Reißverschluss, dieses Mal an der Seite, einmal mit dem Overlookstich rund herum und die 65 x 40 cm Kissen waren fertig.

Hier noch ein Blick auf die Motive. Das Pilzhäuschen und die Babyschnecke enthalten noch weitere Stoffreste, die perfekt zu den 3 Grundstoffen passten. Komisch, oder? Irgendwie greift man wohl doch immer zu den gleichen Farben und Mustern. Die Babyschnecke hat 2 Sicherheitsaugen bekommen, die ich allerdings hinten etwas gekürzt habe, damit sie nicht so abstehen.

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Babykissen-Mädchen03
Als ich die Kissen abgegeben habe, wurde ich gefragt, ob es mir nicht schwer fällt, sie herzugeben. Eine interessante Frage. Ich denke, mir fällt es nicht schwer, weil sie dort, wo sie hinkommen, so viel mehr Nutzen bringen als wenn ich sie behalten würde. Allerdings freue ich mich schon, sie hier zu zeigen und sie damit ja auch ein bisschen zu behalten. Das ist für mich auch ein Grund fürs Bloggen. Hier wird alles bewahrt, was ich mit meinen Händen gemacht habe. Ein Grund mich wirklich zu freuen, am heutigen Freutag. Da schau ich ebenso vorbei wie bei der Tophill-Kissenparty , die einfach perfekt ist für meine Babykissenparade.

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8 Gedanken zu “Babykissen – schneiden, bügeln, applizieren

  1. Mir geht’s genau wie Dir, liebe Undine – ich genieße zur Zeit einfach nur das schöne Wetter und auf dem Blog ist Funkstille. Mal sehen, wann ich mich wieder motivieren kann…

    Deine Kissen sind wirklich allerliebst. Mir gefällt das Lasse-Kissen am besten. Rate mal, warum…! 🙃

    Liebste Grüße an Dich und Sven, und ein schönes, sonniges Wochenende!

    Martina ⛵️

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  2. Ein wunderschöner Beitrag, liebe Undine. Die Kissen und die Beschreibung, wie du sie machst, sind große Klasse, vielen Dank dafür. Und das mit der Sonne und dem stickigen Kämmerchen verstehe ich gut. Mich zieht es sommers auch sofort nach draußen, auch wenn ich dann oft sehr hin und her gerissen bin, dass ich doch gerne auch etwas fürs Netz – also den Blog – aufbewahren würde… Aber nein, alles fein, wie es ist, und die windigen und dunklen Tage, an denen wir in die Tasten kloppen können, die kommen ja ohnehin von ganz alleine wieder.

    Genieße den Sommer!

    Herzensgrüße fast bis an die Küste hoch

    Anni

    Gefällt 1 Person

      1. Ich tippe so schnell, daran liegt es. ;-) Wenn du wüsstest, was hier noch so schlummert, was für Blogbeiträge geeignet wäre… Ich würde gerne viel mehr zeigen/schreiben, aber „so hat jeder seine Probleme“. :-D Nein, nein, stimmt schon, ich blogge einfach zu gerne. :-)

        Gefällt 1 Person

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